Bingo statt Büro: Begegnungen ganz analog

Im Computerzeitalter werden Begegnungen mit Menschen in einer völlig anderen Lebensphase immer seltener und damit zur wertvollen Erfahrung. Aus diesem Grund führt der Implenia Sozialtag die Kaufmännischen Auszubildenden jedes Jahr jeweils für einen Tag zu Besuch im Altersheim Ruttiger in Olten. 2026 fand er zum zehnten Mal statt.
Abwechslung und Achtsamkeit
«Der Sozialtag soll bewusst eine Auszeit vom gewohnten Alltag bieten und den Lernenden zeigen, dass im Leben nicht nur Ausbildung und Beruf zählen,» erzählt Apprentice Managerin Andrea Wyss. Sie hat den Sozialtag 2015 ins Leben gerufen. «Unsere Lernenden bekommen nicht nur etwas Abwechslung von ihrem Arbeits- und Schulalltag; sie erleben auch, wie man auch ohne einen dicht getakteten Alltag Mehrwert schaffen kann, und erhalten die Möglichkeit, mit Bewohnerinnen und Bewohner des Altersheims ins Gespräch zu kommen.»

«Es kommt immer wieder zu berührenden Begegnungen»
Daraus entstehen zum Teil berührende Begegnungen: Ein Heimbewohner spricht mitten in einem Vortrag der Lernenden sehr persönlich von eigenen Erfahrungen; ein Lernender macht sich mit einer demenzkranken Bewohnerin auf den Weg zu ihrem Lieblingsplatz, kommt jedoch nie ans Ziel, weil sich die Bewohnerin nicht mehr an den Weg erinnern kann ... «Gerade wegen solcher Erlebnisse schafft der Sozialtag besonders auf zwischenmenschlicher Ebene einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert», erklärt die Berufsbildnerin.

Der Sozialtag sorgt auch bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Altersheims für Vorfreude, erzählt sie weiter: «Die Damen und Herren wissen inzwischen genau, wann die Lernenden das Altersheim besuchen. Anfangs mussten sie für den Anlass erst aus ihren Zimmern gerufen werden; seit einigen Jahren warten sie schon voller Vorfreude im Aufenthaltsraum. Auch das zeigt, wie wichtig der Sozialtag auch für die Seniorinnen und Senioren ist.»

Die Lernenden brauchen anfangs oftmals etwas Überwindung, um in einem neuen Umfeld Gespräche zu suchen – eine wichtige Übung für den Berufs- und Schulalltag: «Sozialkompetenz ist in unserer modernen Welt wichtiger denn je,» ist Andrea Wyss überzeugt. «Heutzutage läuft so vieles digital ab, dass der persönliche direkte Austausch mit Menschen oftmals zu kurz kommt. Gute Sozialkompetenzen helfen, klar, empathisch und respektvoll zu kommunizieren. Für die Lernenden bietet der Besuch hier im Heim eine wertvolle Gelegenheit, auf Seniorinnen und Senioren zuzugehen und ein Gespräch zu starten.»
Die Lernenden selbst erlebten den Sozialtag als bereichernde Abwechslung zum Büroalltag und als wertvolle Gelegenheit, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch zu kommen. Die Bilanz am Ende des diesjährigen Anlasses fällt denn auch durchwegs positiv aus: Giulia aus dem 1. Lehrjahr fand den Tag «schön und abwechslungsreich» und spannend, weil sie Einblick in den Alltag eines Altersheims erhielt. Auch Andrija aus dem 3. Lehrjahr zog ein positives Fazit: «Mein Highlight war das gemeinsame Lachen beim Quiz und bei den Spielen.» Pedro, ebenfalls im 3. Lehrjahr, nahm besonders die persönlichen Begegnungen mit: «Ich bin vor allem mit einem Senior in ein tiefgründigeres Gespräch gekommen.» Für die Lernenden bleibt der Sozialtag damit ein Anlass, der soziale Kontakte stärkt, neue Perspektiven eröffnet und lange in Erinnerung bleibt.



