Nachhaltiger Einsatz von Ausbruchmaterial am Gotthard

Seit Oktober 2024 verkehren am südlichen Ausläufer des Vierwaldstättersees regelmässig Frachtschiffe: Sie transportieren im Viertelstundentakt bis zu 450 Tonnen Gestein vom Industriehafen Flüelen zu nahegelegenen Pontonanlagen. Dort wird das Material kontrolliert auf den Seegrund eingebracht.
«Diese Arbeiten sind Teil eines ökologischen Gesamtkonzepts zur Wiederverwendung des Ausbruchsmaterials, das vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) entwickelt wurde und von den am Bau beteiligten Unternehmen umgesetzt wird», sagt Xavier von Mandach, Baustellenchef von Implenia beim Gotthard. Ziel ist es, möglichst grosse Teile des anfallenden Materials sinnvoll weiterzuverwenden und Transportwege sowie Deponiebedarf zu reduzieren.
Konkret wird das Ausbruchmaterial unterschiedlich eingesetzt: Rund 1,8 Millionen Tonnen werden direkt auf der Baustelle zu neuem Baumaterial aufbereitet. Etwa 1,9 Millionen Tonnen kommen in Airolo für die Geländemodellierung und zur Überdeckung der Autobahn zum Einsatz. Weitere rund 3,5 Millionen Tonnen werden im Urnersee eingebracht, um naturnahe Flachwasserzonen zu formen.
«Die Tunnelbohrmaschine in Göschenen bricht täglich bis zu 8700 Tonnen Fels aus dem Massiv», erklärt Xavier von Mandach. Das Material wird per Bahn nach Flüelen transportiert und dort über Förderanlagen zu den Verladestellen geführt, wo Schiffe den Weitertransport übernehmen.
Die Schüttungen im Urnersee verfolgen das Ziel, Flachwasserbereiche zu schaffen, wie sie im Reussdelta historisch vorhanden waren. Frühere Eingriffe wie die Begradigung der Reuss ab 1851 und der Kiesabbau ab 1905 haben diese Strukturen stark verändert. Flachwasserzonen gelten als wichtige Lebensräume für Wasserpflanzen und verschiedene Tierarten, da sie Schutz-, Nahrungs- und Fortpflanzungsmöglichkeiten bieten.
Mit der Verwendung des Ausbruchmaterials für diese Zwecke wird ein Teil der grossen Materialmengen gezielt in landschaftsgestalterische Massnahmen integriert. Dies stellt einen möglichen Ansatz dar, wie sich Materialströme aus Grossbaustellen mit ökologischen und baulichen Anforderungen verbinden lassen.







