
20 Jahre Implenia, 160 Jahre Zukunft gestalten
Wahrzeichen – made by Implenia
Jährlich wird auf der Welt im Wert von über 10 Billionen Franken gebaut. Und doch gibt es immer wieder Bauwerke, die aus der Masse des Gebauten herausstechen, die jeder kennt, die einen Nerv der Zeit treffen oder die die Welt ein kleines bisschen besser machen. Hier ein paar Beispiele aus dem Hause Implenia (und Vorgängerfirmen).
Stauwehr Wasserkraftwerk Laufenburg, 1912-1914 (Zschokke)
Conrad Zschokkes internationale Erfahrung im Hafen- und Wasserbau ist Anfang des 20. Jahrhunderts auch in der Heimat gefragt. Denn die Schweiz, die kaum Rohstoffe besitzt, will unabhängiger werden vom Ausland – beispielsweise von deutscher Kohle. Wie aber will sie den im Zuge der Industrialisierung wachsenden Bedarf an Energie stillen?
Eine Möglichkeit bietet die heimische Wasserkraft. So beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts landesweit der Bau von Laufwasserkraftwerken. Die riesigen Wasserbauten kann nicht jeder realisieren, Zschokke aber schon. Ein Paradebeispiel ist das Wasserkraftwerk Laufenburg am Hochrhein, wo die Conrad Zschokke AG vor dem Ersten Weltkrieg nicht nur die Fundationen baut – das Spezialgebiet der Firma – sondern auch die Hochbauten wie das Maschinenhaus.
Palais des Nations, Genf, 1929-1936 (HHH)
1919 beschliessen die Siegermächte an der Pariser Friedenskonferenz die Gründung des Völkerbundes mit Sitz in Genf in der neutralen Schweiz. Hier ist auch das Internationale Rote Kreuz seit Jahren ansässig; dennoch ist der Sitz des Völkerbundes und der Bau des Völkerbundpalastes der eigentliche Startschuss für die Entwicklung Genfs zu einer internationalen Weltstadt.
Als 1930 die Bauarbeiten am mächtigen Völkerbundpalast beginnen, ist auch die führende Deutschschweizer Baufirma mit von der Partie: Heinr. Hatt-Haller. Derweil muss sich der lokale Platzhirsch, die SA Conrad Zschokke, mit dem Bau des Pavillons der Abrüstungskonferenz 1931 begnügen.
Säntis-Schwebebahn, Appenzell-Ausserrhoden, 1933-1935 (HHH)
Der Alpstein in der Ostschweiz ist eine Art Alpen im Miniformat. Und der Säntis – mit 2502 m. ü. M. der höchste Gipfel des Alpsteins – ist quasi das Matterhorn des Alpsteins. Auf diesen viel besungenen Gipfel führt von der Schwägalp aus seit dem 31. Juli 1935 ein technisches Wunderwerk: die erste «Schwebebahn» des Alpsteins und eine der wichtigsten sowie spektakulärsten frühen Hochgebirgs‑Luftseilbahnen des Landes.
Die Bauausführung dieses prestigeträchtigen Projekts übernimmt das Zürcher Bauunternehmen Heinr. Hatt-Haller (HHH). 43 Tage beansprucht allein der Transport der Tragseile von Herisau zur Schwägalp – eine asphaltierte Passstrasse fehlt damals noch. Weitere 40 Tage vergehen, bis die je 2300 m langen und 35 t schweren Tragseile auf dem Säntis sind. Damals wie heute schauen Menschen staunend-schaudernd den Kabinen der Säntis-Bahn nach, wenn diese dem erhabenen Bergmassiv entgegenschweben.
Jet d’eau, Genf, 1951 (Zschokke)
Als 1886 das erste Mal eine Wasserfontäne aus dem Genfersee schoss, hatte das rein praktische Gründe: Die Fontäne entsprang dem Entspannungsventil eines nahegelegenen Wasserkraft- und Pumpwerks. Das Ventil wurde später technisch überflüssig, doch zu diesem Zeitpunkt wollten die Genferinnen und Genfer schon nicht mehr auf das hübsche Wasserspiel verzichten.
Deshalb baut die SA Conrad Zschokke 1951 am Knick der Mole von Eaux-Vives mitten im See eine Stahlbeton-Schale, in welche die neue Pumpstation für den «Jet d’eau» eingebaut wird. Fortan schiesst der «Jet d’eau» nicht mehr 90, sondern 140 m in die Höhe und mausert sich endgültig zum Wahrzeichen von Genf. 65 Jahre später kehrt Implenia zurück zur Mole von Eaux-Vives. Dieses Mal mit dem Auftrag, den Landungssteg zu erneuern – eine anspruchsvolle Arbeit, die zur Schonung der alten Mole mit Hilfe eines minimalinvasiven Rohrvortriebs gelingt.
Nationalstrassenbau, N1 bei Derendingen, 1966 (Stuag)
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit setzt auch die Massenmotorisierung der Bevölkerung ein. Das Auto wird zum Konsumgut Nummer eins. Kommt 1945 ein Motorfahrzeug auf 100 Einwohner, so sind es 1960 bereits zehn. In genau diesem Jahr wird das Bundesgesetz über die Nationalstrassen erlassen. In der Schweiz soll ein 1'811 km langes Nationalstrassennetz entstehen – inklusive 800 km sogenannter «Autobahnen», die nicht höhengleich gekreuzt werden dürfen.
Das Gesetz setzt ein gigantisches Bauprogramm in Gang, das wie massgeschneidert ist für die 1912 gegründete «Schweizerische Strassenbau- und Tiefbau-Unternehmung AG», kurz Stuag. Diese wird Hunderte von Kilometern Strassen bauen – hier im Bild ein Los für den Bau der N1 bei Derendingen, 1967.
«Fressbalken», Würenlos (N1), 1972 (Zschokke)
Jedes Kind, jeder Fernfahrer und alle Schweizer Autofahrerinnen und -fahrer kennen die legendäre Autobahnraststätte Würenlos, im Volksmund «Fressbalken» genannt. Der Grund für den Spitznamen ist das spektakuläre Brückenrestaurant, das lange Zeit von der MövenpickGruppe betrieben wird. Dort kann man beispielsweise ein Silber Beefy geniessen, während unter einem die Autos mit 120 km/h hindurchdonnern.
Eine weitere Attraktion: eine Mini-Shopping-Mall, die auch an Wochenenden geöffnet ist und alles bietet – von der neuesten Rolling-Stones-Schallplatte bis zum Ehering. Gebaut hat diese Ikone des automobilen Zeitalters die SA Conrad Zschokke.
Sydney Opera House, Sydney, 1959-1973 (Baulderstone Hornibrook)
Da werden sich einige die Augen reiben. Implenia hat diese Ikone der modernen Architektur vom Zeichnungsbrett des dänischen Architekten Jørn Utzon gebaut? Naja, nicht ganz. Ehrlich gesagt: Nicht einmal eine Vorgängerfirma von Implenia war direkt daran beteiligt.
Aber irgendwie gehört dieses berühmte und wegen der technischen Raffinessen auch berüchtigte Bauwerk schon zum indirekten Erbe von Implenia. Denn 2000 übernimmt das deutsche Bauunternehmen Bilfinger die australische Traditionsfirma Baulderstone Hornibrook, die massgeblich an der Erbauung des Sydney Opera Houses mitgewirkt hat. Und 2015 kauft Implenia wiederum die deutsche Bilfinger Construction GmbH. So rückt ein Stück Down Under ins Archiv von Implenia. Zugegebenermassen weit hergeholt, aber wer hätte es gedacht?
Sunnibergbrücke, Klosters, 1998-2005 (Batigroup)
Sie ist ein technisches und mehrfach ausgezeichnetes Meisterwerk des modernen Brückenbaus: die Sunnibergbrücke bei Klosters im Kanton Graubünden. Entworfen hat sie der berühmte Schweizer Bauingenieur und Brückenbauer Christian Menn. Markenzeichen der Sunnibergbrücke sind die in zwei Stiele aufgelösten Pfeiler, die dem Bauwerk etwas Leichtes und Verspieltes verleihen.
Doch dahinter steckt eine komplexe räumliche Geometrie mit hohen Anforderungen an die statische Berechnung, Konstruktion und Bauausführung. Diese übernimmt 1998 die erst ein Jahr zuvor aus der Verschmelzung von Stuag, Schmalz und Preiswerk hervorgegangene Batigroup. 2001 erhält die Sunnibergbrücke den renommierten Outstanding Structure Award.
Humboldt Forum im Berliner Schloss, Berlin, 2012-2020 (Implenia)
Auf dem Balkon des Stadtschlosses Berlin wurde die deutsche Republik ausgerufen – allerdings zum zweiten Mal an diesem kühlen Novembertag 1918. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann war dem Kommunisten Karl Liebknecht zuvorgekommen. Diese uneinige Ausrufung warf ihren langen Schatten auf die deutsche Republik, die nur 15 Jahre überdauern sollte. Dann kamen die Nazis, dann der Krieg, dann die DDR, die 1950 das kriegsbeschädigte Gebäude abriss.
Implenia hat es unter hohen Auflagen des Denkmalschutzes wieder aufgebaut, genauer gesagt: Implenia war für den Fassadenbau im zentralen Teil des Schlosses zuständig, in dem seit 2020 das Humboldt Forum untergebracht ist. Allein 370 historische Fenster, meist aus Eiche, 120 Portalfenster und 550 Stahltüren wurden verbaut und mussten vorher erst einmal ihren Weg ins Herz der deutschen Hauptstadt finden. Eine logistische Meisterleistung mit höchsten Sicherheitsanforderungen – und das in historischem Gewand.
Bahnstation Sofia, Stockholm, 2021-2027, (Implenia)
Immer mehr Einwohner, immer mehr Pendlerinnen und Pendler. Stockholm wächst, und mit diesem Wachstum soll auch der öffentliche Verkehr mithalten. Seit 2018 läuft das gigantische Ausbauprojekt Nya tunnelbanan (dt. «neue Tunnelbahnen»): 30 km Untergrundlinien mit 18 neuen Stationen sind am Entstehen.
Auf den Baustellen ist auch Implenia von Anfang an präsent. 2018 übernimmt die Gruppe den Bau eines 1,5 km langen Zugangstunnels, der seit 2021 den Weg zum eigentlichen Hauptauftrag freimacht: die Arbeiten an einer der tiefsten Metrostationen der Welt. Etwa 100 m unter der Erde nimmt die Haltestelle «Sofia» Form an, die später über Hochgeschwindigkeitslifte erreichbar sein wird – auch für diese Lifte baut Implenia die Schächte. Zum CHF 110 Mio.-Auftrag gehören zudem die angrenzenden Tunnelarbeiten im Bohr- und Sprengverfahren auf 4,6 km Länge.
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Hauptfoto: bluejayphoto









