
Tierisch schön
Holzbau Elefantenhaus Zoo Zürich
20 Jahre Implenia, 160 Jahre Zukunft gestalten
Bauten von Implenia für spezielle Situationen
Nicht alle Bauwerke entstehen unter gewöhnlichen Bedingungen – manche verlangen aussergewöhnliche Ideen und den Mut, neue Wege zu gehen. Die folgenden elf Projekte aus der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und Saudi-Arabien zeigen, wie Implenia und ihre Vorgängerunternehmen seit über 160 Jahren selbst für die ungewöhnlichsten Herausforderungen innovative Lösungen gefunden haben.
Bains des Pâquis, Genf, 1931-1933 (Zschokke)
Im internationalen Genf sind die Bains des Pâquis ein Ort gelebter Tradition. Das Freibad liegt mitten im Seebecken und ist nur über eine Mole (künstlicher Damm) erreichbar. 1872 in Holzbauweise errichtet, ist es 60 Jahre später baufällig. Den Auftrag zur Komplettsanierung in Massivbauweise erhält die SA Conrad Zschokke. Diese errichtet am Ufer zuerst eine Baustelle zur Vorfabrikation der Pfähle und Betonplatten in Stahlbeton, erst dann erfolgen die Bauarbeiten am Seebad. 1932 kann Zschokke die Bains des Pâquis der Stadt Genf übergeben. Welchen Stellenwert das Bad über die Jahre in der Bevölkerung gewinnt, zeigt sich, als die Stadt Genf Mitte der 1980er-Jahre das alte Bad abreissen und neu bauen will. Widerstand macht sich breit, eine «Association d'usagers des Bains des Pâquis» ergreift das Referendum gegen den Abriss. Am 25. September 1988 kommt es zum Showdown. Und siehe da: In der Volksabstimmung werden die Abrisspläne mit 72 Prozent der Stimmen wuchtig verworfen. Bien joué, les Genevois!
Ausstellungsturm Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA, Zürich, 1957 (Heinr. Hatt-Haller)
Im Juli 1958 öffnet die zweite „Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit“ (SAFFA) auf der Zürcher Landiwiese ihre Tore. In Pavillons, Zeltbauten und Mustergebäuden zeigen Schweizer Frauen ihre künstlerische Schaffenskraft. Die Beiträge reichen von Gartengestaltung, Kunst, Handwerk und Grafik bis hin zur Architektur der Ausstellung selbst. Chefarchitektin der SAFFA ist die Schweizer Architektin Annemarie Hubacher-Constam, hier links im Bild zusammen mit Anna Cordes-Meyer, ihrer Stellvertreterin. Die beiden inspizieren das Modell des spektakulären Ausstellungsturms der SAFFA, der über einen aussenliegenden Wendelgang erklommen wird. Die Bauausführung dieses Wahrzeichens der SAFFA übernimmt das Zürcher Traditionsunternehmen Heinr. Hatt-Haller. Das Wahrzeichen steht jedoch leider nicht lange: Nach der Ausstellung wird es wieder zurückgebaut, um die Landiwiese am Zürichsee für zukünftige Nutzungen freizuhalten.
Gastarbeiterhaus «Halde», Zürich, 1963 (Heinr. Hatt-Haller)
«Mit der Abbildung des neuesten HHH-Unterkunftshauses für Gastarbeiter ist das in mancher Hinsicht dominierende Problem der Beschaffung menschlicher Arbeitskraft angedeutet», steht in einer Firmenbroschüre von Heinr. Hatt-Haller 1964 geschrieben. Sicher: Eine architektonische Augenweide ist das Gastarbeiterhaus «Halde», dass HHH direkt auf dem Werkareal in Zürich-Binz errichtet, nicht. Doch HHH ist ein sozialer Arbeitsgeber und im Vergleich zu anderen Wohnheimen ist das Haus modern und licht und gilt als beispielhaft. Das Haus steht symbolisch für die damals wachsende Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften, in der Bauwirtschaft vor allem nach Italienern. Folglich verdreifacht sich in der Stadt Zürich die Anzahl italienischer Staatsbürgerinnen und -bürger zwischen 1950 und 1964 von 11'000 auf 34'000. Fast alle Gastarbeiter kommen als «Saisonniers» in die Schweiz – mit einer auf neun Monate beschränkten Aufenthaltsgenehmigung und ohne Familie. Daher bevorzugen sie (günstige) Wohnheime gegenüber eigenen Wohnungen.
Zugangstreppen Seegfrörni, Zürich, 1964 (Heinr. Hatt-Haller)
Manchmal zeigt sich Grösse auch im Kleinen, in spontanen Taten. Als es 1963 in Zürich zur äusserst seltenen «Seegfrörni» kommt, der Zürichsee also ganz zufriert, ist es das Bauunternehmen Heinr. Hatt-Haller, das sofort reagiert und hölzerne Zugangstreppen zur Begehung der Eisfläche baut – zur grossen Freude der Bevölkerung.
Parking du Mont-Blanc, Genf, 1968-1972 (Zschokke)
Eifrige Leserinnen und Leser unserer historischen Jubiläums-Stories wissen es bereits: Zschokke und Wasser, das harmoniert wie Stein und Mörtel. Aber dass die SA Conrad Zschokke ihre spezielle Verbindung zum Wasser auch beim Bau eines Parkhauses demonstriert, ist dann doch erstaunlich. Obwohl? Das Stadtzentrum von Genf ist damals wie heute eines der teuersten Pflaster der Schweiz. Gleichzeitig fordert das Gewerbe Parkmöglichkeiten für Stadtbesucher. Es ist eine kühne Projektvariante, mit der die SA Conrad Zschokke 1967 die Ausschreibung für ein Unterwasserparkhaus im Flussbett der Rhône gewinnt. 1’200 Fahrzeuge sollen in diesem Platz finden. 1968 beginnen die Bauarbeiten mit der Errichtung einer gewaltigen Spundwand zur Trockenlegung des Baufelds. Im März 1970 kann die 85 cm starke Betonplattform eingegossen werden, gut zwei Jahre später, am 24. Mai 1972, parkt das erste Fahrzeug im Parking du Mont-Blanc. Ein weiteres Jahr danach kommt es zum magischen Moment: Die Spundwände werden abgerissen, die Rhône flutet über das Parkhaus. Die Geburt einer Ikone unter Wasser.
«Electric Mountain», Pumpspeicherkraftwerk Dinorwig, Wales (UK), 1974-1984 (Baukonsortium mit Zschokke-Beteiligung)
Ein Berg wurde zum Kraftwerk: Zehn Jahre dauern die Bauarbeiten des damals grössten Bauprojekts in der Geschichte Grossbritanniens: des Pumpspeicherkraftwerks Dinorwig im Norden von Wales. 12 Mio. t Fels werden tief aus dem Berg Elidir Fawr herausgebrochen, 1 Mio. t Beton, 200’000 t Zement und 4’500 t Stahl werden verbaut, um das leistungsstärkste Pumpspeicherkraftwerk Europas und das drittstärkste weltweit zu errichten. Die gewaltige Energie produziert das Werk, indem in Zeiten schwachen Stromverbrauchs Wasser aus dem Llyn Peris See in das höhergelegene Marchlyn-Mawr-Reservoir gepumpt wird, um es bei starker Stromnachfrage durch Stollen und Turbinen wieder abfliessen zu lassen. Heute ist das Kraftwerk mit seinen 16 km langen Stollen und Tunneln und einer mächtigen, 51 m hohen Kaverne auch eine als «Electric Mountain» bekannte Touristenattraktion. Gebaut von einem Konsortium mit Zschokke-Beteiligung - und bis heute ein Symbol für technische Spitzenleistungen und nachhaltige Infrastruktur.
ABC-Schutzräume, Saudi-Arabien, 1982-1984 (Zschokke)
Nicht jedes Bauwerk entsteht für den Alltag – manche werden für den Notfall gebaut: Die Lage im Nahen Osten ist Anfang der 1980er-Jahre angespannt. Seit September 1980 tobt der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak. Als Verbündeter des Iraks macht sich Saudi-Arabien berechtigte Sorgen über Luft- und Raketenangriffe durch den Iran. Besonders gefährdet ist die wirtschaftliche Lebensader der Saudis: Die Ölraffinerien im Osten des Landes. Als federführende Bauunternehmung erhält die SA Conrad Zschokke 1982 den 300-Millionen-Franken-Auftrag zum Bau unzähliger ABC-Schutzräume auf den Raffineriefeldern des Landes. Gebraucht wurden diese glücklicherweise nie.
Ein Marienfeld für den Papstbesuch, Köln, 2005 (Bilfinger Berger)
«Wir sind Papst» titelt die deutsche Bild-Zeitung, als der Deutsche Joseph Alois Ratzinger am 19. April 2005 zum Papst Benedikt XVI. gewählt wird. Als erste Auslandsreise wählt dieser den Besuch des Weltjugendtags in Köln. Und so ein Papstbesuch inklusive Abschlussgottesdienst ist natürlich kein Spaziergang im Park. In den Kölner Dom passen die über eine Million Gläubigen, die für den Gottesdienst erwartet werden, jedenfalls nicht. So erhält Bilfinger Berger als Generalunternehmung einen ganz besonderen Auftrag: Ein ehemaliges Tagebaugebiet westlich von Köln verwandelt die deutsche Traditionsfirma in das «Marienfeld», den zentralen Veranstaltungsort des Weltjugendtags.
Dazu gehört ein ausgeklügeltes, 50 km langes Wegenetz und – als Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes – der sogenannte «Papsthügel». Von diesem aus hält Benedikt XVI. am 21. August 2005 seinen Abschlussgottesdienst, eine Art Bergpredigt also, oder zumindest Hügelpredigt. Nach diesem feierlichen Abschluss baut Bilfinger Berger sämtliche Infrastrukturen zurück. Nur der Papsthügel bleibt, wo er ist, und dient heute wahlweise als Erinnerungsstätte, Aussichtspunkt oder Sportplatz für das Intervalltraining ambitionierter Läufer. Ein geweihter Ort für künftige Generationen also.
Leuchtturm und Seefahrerhotel, Europa Park Rust, 2011 (Bilfinger Berger)
Von Kinderbüchern über Romanzen bis hin zu düsteren Horrorfilmen wie «The Lighthouse» – Leuchttürme bilden die Kulisse für unzählige Geschichten und Filme. Ihre ursprüngliche Bedeutung – als unentbehrliche Navigationshilfe für Seefahrer – geht hingegen dank GPS, Radar und elektronischen Seekarten immer mehr verloren. Umso erstaunlicher ist es, dass Bilfinger Berger 2011 den Auftrag für den Bau eines 35 m hohen Leuchtturms erhält, der nicht einmal an einer Küste erbaut werden soll, sondern inmitten des europäischen Kontinents: im Europapark Rust (D). Die Nordseeküste ist hier rund 720 km entfernt. Klar, dient dieser Leuchtturm nicht als Navigationshilfe, sondern als Erlebnisraum in einer Erlebniswelt, namentlich als Aussenposten des «Bell Rock», dem wohl ersten «Seefahrerhotel» mit vier Sternen.
Holzbau Elefantenhaus Zoo Zürich, 2012-2014 (Implenia)
Tierisch schön: Mit dem Bau des Elefantenhauses im Zoo Zürich als Holzbau setzt Implenia 2012 bis 2014 eine lange Bautradition fort: So hat Heinr. Hatt-Haller (HHH), eine der Vorgängerfirmen von Implenia, hier bereits 1932 das Raubtierhaus errichtet. Architektonisch ist das von Markus Schietsch Architekten entworfene Elefantenhaus jedoch ein weitaus kühneres Projekt. Das gesamte, wabenförmige Dach ist eine Freiform ohne konstante Krümmungen und Rundungen und überspannt stützenfrei über 80 Meter, was eine grosszügige Innenanlage für die Elefanten ermöglicht.
Voraussetzung dafür war eine minutiöse 3D-Planung und digital generierte Ab- und Zuschnittsdaten für über 1’000 verschiedene Bauteile, was wiederum eine präzise Logistik erforderte. Trotz der digitalen Daten war aber auch akkurates Handwerk gefragt: Die 271 Lichtöffnungen wurden mit Kettensägen in die Schale geschnitten, die dann mit UV-durchlässiger Baufolie wieder geschlossen wurden und einen grosszügigen, natürlichen Lichteinfall möglich machen. 2015 wurde das Projekt mit dem Anerkennungspreis der Fachjury des renommierten Schweizer Holzbaupreises Prix Lignum ausgezeichnet. Verdientermassen.
Erneuerung Schöllenen, Kanton Uri, 2015-2019 (Implenia)
Als Teil der alten Gotthard-Passstrasse sind die Schöllenen im Kanton Uri eine Legende – auch wegen der sagenumwobenen Teufelsbrücke. 2015 bis 2019 übernimmt Implenia die Erneuerungsarbeiten im nördlichen Teil des historischen Weges. Grösste Herausforderung ist die exponierte Lage der Baustelle, die zwischen schroffen Felsformationen über 300 Höhenmeter überwindet. «Wenn es hier regnet, kommt das Wasser von allen Seiten», erzählt Heinz Niederberger, damaliger Implenia Projektleiter. Im ersten Baustellenjahr kommt es im Tal zu einem gewaltigen Bergsturz – 2’500 t Granit prasseln in die Schöllenenschlucht hinunter. Zum Glück wird niemand verletzt, die Baustelle ist nicht betroffen. Die Logistik hier oben ist knifflig: Wegen des hohen Verkehrsaufkommens muss in der Sommerferienzeit und an Wochenenden täglich nach Arbeitsschluss ein provisorischer Belag eingebaut werden, damit die Schöllenen zweispurig befahrbar bleibt. Wochentags arbeiten die 40 Implenia Mitarbeitenden in drei Schichten von 5:00 bis 22:00 Uhr. Trotz aller Widrigkeiten kann Implenia die Arbeiten 2019 fristgerecht abschliessen.
Der Pakt mit dem Teufel
Um die Schöllenenschlucht rankt sich die Sage, dass die erste dortige Brücke vom Teufel persönlich errichtet wurde. Dies weil die Urner immer wieder an der Errichtung einer Brücke scheiterten, bis ein Landammann aus Verzweiflung ausrief: «Do sell der Tyfel e Brigg bue!» («Da soll der Teufel eine Brücke bauen!») Kaum ausgesprochen, erschien dieser und schlug folgenden Pakt vor: Er würde die Brücke bauen, aber als Gegenleistung bekomme er die Seele desjenigen, der als Erster die Brücke überquere.
Nachdem die Brücke erbaut war, schickten die Urner einen Geissbock über die Brücke. Der Teufel war über diesen Trick sehr erzürnt und wollte die Brücke mit einem haushohen Stein zerschlagen. Doch es begegnete ihm eine fromme Frau, die ein Kreuz auf den Stein ritzte. Den Teufel verwirrte das Zeichen Gottes so sehr, dass er beim Werfen des Steines die Brücke verfehlte. Der Stein rollte die ganze Schöllenenschlucht hinab bis unterhalb von Göschenen und wird seither «Teufelsstein» genannt. 1973 wurde der rund 2000 t schwere Stein um 127 m verschoben, um der Gotthardautobahn Platz zu machen.
Böögg, Sechseläutenwiese, Zürich (HHH, Implenia)
Das Sechseläuten ist das zürcherischste aller Zürcher Volksfeste. Seit 500 Jahren feiern die Zünfte mit Tausenden von Zuschauerinnen und Zuschauern jeweils am dritten Montag im April den Übergang vom Winter in den Sommer. Höhepunkt des Festes ist die Verbrennung des «Böögg» auf dem Scheiterhaufen. Je nachdem, wann der mit Knallkörpern gefüllte Kopf des Schneemanns explodiert, soll es der Legende nach entweder einen schönen oder schlechten Sommer geben. Damit das Orakel nicht durch technische Mängel gestört wird, sind beim Aufstellen des Böögg natürlich Präzision und Know-how gefragt.
Vor Jahrzehnten übernimmt das Zürcher Bauunternehmen Heinr. Hatt-Haller diese verantwortungsvolle Aufgabe, die heute das Nachfolgeunternehmen, Implenia, fortführt. Für Baustellenchef Darko Galic, der das Sechseläuten seit nunmehr sechs Jahren für Implenia betreut, ist dieser Auftrag etwas ganz Spezielles: «Während wir normalerweise für langlebige Bauten im Einsatz sind, arbeiten wir hier für ein Spektakel, das nur ein paar Stunden dauert. Und dennoch ist es eine unserer längsten Baustellen: Sie kommt jedes Jahr wieder.»
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Hauptfoto ganz oben: Bild: Zoo Zürich, Jean-Luc Grossmann
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Im Laufe des ganzen Jubiläumsjahres wird der Inhalt erweitert
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