KI einführen, aber wie?

Ob KI im Unternehmen ankommt, entscheidet sich vor allem an der Haltung der Mitarbeitenden. Genau das hat Makda Makonnen in ihrer Masterarbeit an der Hochschule Konstanz – in Kooperation mit Implenia Civil Engineering GmbH Deutschland – untersucht. Ihr Fokus: Wie offen ist die Tunnelbauabteilung gegenüber KI im kaufmännischen Bereich? Das Ergebnis: «Die Haltung unserer Mitarbeitenden ist durchweg überraschend positiv – vor allem dann, wenn KI repetitive Aufgaben abnimmt», so Makonnen.
Erfolg von KI: Mehr als nur Technologie
Die tatsächliche Nutzung von KI hängt laut der Autorin von mehr als nur der Technologie ab: «Ausschlaggebend sind ein klar erkennbarer Nutzen, transparente Systeme, eine durchdachte Integration sowie ein gut gestalteter Einführungsprozess.» Darauf aufbauend formuliert sie sechs konkrete Empfehlungen – und bringt es auf den Punkt: «Der Erfolg von KI entsteht nicht allein durch ihre Leistungsfähigkeit, sondern durch das Zusammenspiel von Technologie, Integration und organisatorischem Umfeld.»
Handlungsempfehlungen für die Einführung von KI-Systemen
1. Transparente und frühzeitige Kommunikation sicherstellen
Vorbehalte gegenüber KI entstehen meist aus Unsicherheit hinsichtlich Funktionsweise, Einsatzgrenzen und Ergebnisqualität, nicht aus Ablehnung. Transparente Kommunikation über Ziele, Anwendungsbereiche, Grenzen und Pilotprojekte sowie die frühzeitige Einbindung der Fachbereiche fördern Vertrauen und beugen unrealistischen Erwartungen vor.
2. KI klar als unterstützendes Werkzeug positionieren
Die Ergebnisse bei Implenia Civil Engineering GmbH zeigen: KI wird als unterstützendes Werkzeug zu menschlicher Expertise akzeptiert; bei einer stärkeren Entscheidungsübertragung an KI jedoch herrscht Zurückhaltung. Es bestehen Zweifel an Ergebnisqualität und Vertrauenswürdigkeit. Deshalb sollte KI nicht als autonome Entscheidungsinstanz, sondern als datenbasierte Unterstützung positioniert werden, deren Resultate menschlicher Prüfung bedürfen. Klare Verantwortlichkeiten und transparente Prüfschritte stärken dabei das Vertrauen nachhaltig.
3. Realistische Erwartungshaltungen
Neben der Positionierung von KI als unterstützendes Entscheidungsinstrument ist es entscheidend, ihre Leistungsgrenzen transparent zu machen und realistische Erwartungen zu fördern. Da KI daten- und wahrscheinlichkeitsbasiert arbeitet, können Ergebnisse unvollständig oder fehlerhaft sein. Werden typische Einsatzszenarien und typische Fehlerquellen transparent dargestellt, können das Verständnis für KI gestärkt und sowohl überhöhte Erwartungen als auch unbegründete Ängste reduziert werden.
4. Systematischen Kompetenzaufbau fördern
Der Kenntnisstand der Mitarbeitenden im Umgang mit KI ist überwiegend neutral bis leicht positiv: Ein Bewusstsein für KI ist vorhanden, es fehlt jedoch oft an Handlungssicherheit. Entscheidend sind deshalb praxisnahe Schulungen, die neben technischem Wissen auch den Umgang mit KI-Ergebnissen, Unsicherheiten und Prompt-Kompetenz vermitteln. Durch Anwendungsbeispiele und begleitete Testphasen kann Wissen in Handlungssicherheit überführt und das Vertrauen in KI gestärkt werden.
5. Organisationale und technische Rahmenbedingungen gezielt gestalten
Die Akzeptanz von KI wird neben individuellen Faktoren stark durch organisatorische Rahmenbedingungen geprägt. Fehlende Strategien, unklare Verantwortlichkeiten und unzureichende digitale Strukturen wirken dabei als zentrale Hemmnisse. Entscheidend sind daher eine klare KI-Strategie mit klaren Zielen, Zuständigkeiten und Integrationsschritten, verlässliche Datenstrukturen sowie eine stabile technische Integration.
6. Mitarbeitende aktiv in den Einführungsprozess einbinden
Die aktive Einbindung der Mitarbeitenden, etwa durch Beteiligungsformate, Feedbackmöglichkeiten oder Pilotanwendungen, kann dazu beitragen, Akzeptanz nachhaltig zu stärken und praxisnahe Anwendungsfälle zu identifizieren. Feedbackformate und Anpassungen auf Basis praktischer Erfahrungen ermöglichen es, den Einführungsprozess lernorientiert und partizipativ zu gestalten.
Verantwortung ab Tag 1

Bereits während sie ihre Masterarbeit schrieb, übernahm Projektkauffrau Makda Makonnen bei Implenia erste Verantwortung im Grossprojekt Fernwärmetunnel Hamburg. Im Interview erzählt sie, wie es dazu gekommen ist und wie sie den frühen Karrieresprung meistert.