
Staumauer Spitallamm, Grimsel
113 Meter Faszination vor alpiner Kulisse
20 Jahre Implenia, 160 Jahre Zukunft gestalten
Energize me! Wie Implenia mit Wasserkraft die Welt unter Strom setzt
Die Wasserkraft ist die mit Abstand wichtigste erneuerbare Energiequelle der Welt. Global trägt sie 15 bis 20 Prozent zur gesamten Stromproduktion bei, in der Schweiz sind es gar 60 Prozent. Kein Wunder also, finden sich in Helvetien seit über 100 Jahren weltweit anerkannte Baumeister für diese gigantischen Anlagen aus Staumauern, Stollen und gigantischen Kavernen. Gab es um 1900 weltweit rund 600 Staudämme, sind es heute 50 000. Und viele der Rekordbauten – in Höhe, Grösse oder Leistungskraft – wurden von Implenia und ihren Vorgängerfirmen gebaut. Eine Auflistung der Rekorde. Nur für Schwindelfreie!
Staumauer Grande Dixence, 1951-1965 (Zschokke)
Wenn es ein Bauwerk gibt, dass alle anderen Bauten aus der Geschichte von Implenia und ihrer Vorgängerfirmen überragt, dann ist es diese gigantische Mauer aus Beton: Grande Dixence. 285 m hoch, 700 m lang. «Unaufhaltsam wächst die höchste Staumauer der Welt aus der Talenge des Val des Dix heraus», schreibt ein Reporter der Schweizer Illustrierten 1956. Über 3 000 Arbeiter sind auf rund 2 500 m ü. M., der höchsten Baustelle Europas, beschäftigt. Die meisten sind beim ausführenden Bauunternehmen, der SA Conrad Zschokke engagiert. Einer von ihnen heisst Jean-Luc Godard.
Der 24-Jährige träumt eigentlich von einer Karriere als Filmregisseur in Paris. Doch nun ist er pleite. Also verdingt er sich als Telefonist auf der Baustelle von Grande Dixence. Und natürlich erliegt Godard der filmischen Kraft dieses entstehenden Jahrhundertbauwerks. Er kann gar nicht anders – und filmt nebenher seinen ersten Film: «Opération Beton», eine 16-minütige Dokumentation über die Bauarbeiten inmitten der Alpen. Die Rechnung geht auf: Der Film erhält lobende Kritiken, die Bauherrin des Staudamms, die Grande Dixence SA, kauft Godard den Film ab. Endlich hat dieser genug Geld, um seinen ersten Kurzspielfilm «Une femme coquette» zu drehen. Als das Kraftwerk Grand Dixence 1961 den Betrieb aufnimmt, läuft Godarts Meisterwerk«A bout de souffle»mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg bereits im Kino. So wie Grande Dixence die Welt der Wasserkraft für immer revolutioniert, wird Godards Meisterwerk die Filmwelt als Startpunkt der Nouvelle Vague prägen.
Stauwehr Wasserkraftwerk Laufenburg, 1912-1914 (Zschokke)
Zu ihrem 100-Jahr-Jubiläum schreibt die SA Conrad Zschokke 1972: «Heute zeugen mehr als 50 Talsperren und Stauwehre vom Wirken der Zschokke-Gruppe in allen fünf Erdteilen.»1 Diese Expertise verdankt die SA Conrad Zschokke ebenso wie Implenia heute dem Pioniergeist ihres Gründers: Conrad Zschokke. Dieser ist ein Meister der Druckluftgründungen, die Anfang des 20. Jahrhunderts auch beim Bau von Flusskraftwerken gefragt sind: zum Beispiel in Laufenburg am Hochrhein, wo die damals noch in Aarau beheimatete Conrad Zschokke AG nicht nur die Fundationen baut – das Spezialgebiet der Firma – sondern auch Hochbauten wie das Maschinenhaus.
Kraftwerk Eglisau-Glattfelden, 1916-1920 (Locher)
Gerade hat die Conrad Zschokke AG in Laufenburg ihr Kraftwerk der Bauherrschaft übergeben, da beginnen Flussaufwärts bei Eglisau die Bauarbeiten an einem weiteren Zeugnis der Ingenieurbaukunst: dem Kraftwerk Eglisau-Glattfelden, das von der Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) betrieben wird. Allerdings übernimmt hier die grosse Konkurrentin Zschokkes, die Zürcher Baufirma Locher & Cie AG, ebenfalls «Vorfahrin» von Implenia, die Planung und Ausführung. Eine Randnotiz: Die Baufirmen greifen schon damals oft auf italienische Saisonniers zurück. Das Klima in den Barackensiedlungen, in denen nur Männer leben, ist rau. 1917 beispielsweise schreibt der «Bülacher Volksfreund» von einer Schiesserei unter italienischen Gastarbeitern. Trotz allem geht die Anlage 1920 fristgerecht in Betrieb. Heute steht sie unter Denkmalschutz und erinnert an den beginnenden Siegeszug der Wasserkraft Anfang des 20. Jahrhunderts.
Staumauer Schräh, Wägitalersee, 1922-1926 (Heinr. Hatt-Haller)
Und auch die dritte legendäre Baufirma, die später zu Zschokke und schliesslich zu Implenia werden wird, ist am Ausbau der Wasserkraft in der Schweiz beteiligt: Heinr. Hatt-Haller (HHH). Der Erste Weltkrieg hat der Schweiz schmerzlich vor Auge geführt, wie abhängig sie damals noch von der (deutschen) Kohle war. Nun machen sich die Kantone daran, durch den landesweiten Bau von Wasserkraftwerken diese Abhängigkeit weiter zu reduzieren. Dabei wandert das Augenmerk verstärkt weg von den Flüssen des Mittellandes hinauf in die Berge.
Zum Beispiel ins Wägital unweit von Zürich. Dort erhält – wie in Eglisau – die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK), an der auch die Stadt und der Kanton Zürich beteiligt sind, die Konzession für den Betrieb eines Wasserkraftwerks. Die Bauausführung übernimmt der Zürcher Branchenprimus HHH. Bei Fertigstellung 1926 ist die 110 m hohe Staumauer «Schräh» die höchste und das Pumpspeicherkraftwerk das stärkste der Welt.
Staumauer Sautet, Frankreich, 1930-1935 (Zschokke)
Den Rekord für die höchste Staumauer der Welt hält HHH genau neun Jahre. Vier Jahre nach Inbetriebnahme des Kraftwerks Wägital beginnt die SA Conrad Zschokke mit dem Bau einer Bogenstaumauer am Lac du Sautet in den französischen Alpen. 125 m misst die «Barrage du Sautet» – eine neue Höchstmarke weltweit.
Staumauer Santa Maria, 1960-1968 (Locher)
Am Lukmanierpass erhebt sich die 117 m hohe Bogenstaumauer Santa Maria. Sie ist bis heute ein weitherum sichtbares Zeichen für die Schweizer Ingenieurskunst im alpinen Kraftwerksbau. Doch auch die inneren Werte, die die Firma Locher zwischen 1960 und 1968 geschaffen hat, lassen sich sehen: ein rund 8,8 km langer Druckstollen verbindet den Stausee mit dem Lai da Nalps und sorgt so für eine effiziente Nutzung der Wasserkraft. Bis heute liefert das Wasserkraftwerk grüne Energie aus den Bündner Alpen.
Atomkraftwerke Beznau I und II, 1965-1971 (Zschokke)
Die Schweizer Energiewirtschaft zeigt sich in der Nachkriegszeit zunächst skeptisch gegenüber Atomkraftwerken. Immer noch werden Wasserkraftwerke bevorzugt. 1961 nimmt Grand Dixence den Betrieb auf, gleichzeitig ist die Firma Locher am Lukmanierpass mit dem Bau der 117 m hohen Bogenstaumauer Santa Maria beschäftigt.
Doch 1964 entscheidet sich die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) für den Bau eines Atomkraftwerks mit zwei Reaktoren auf der Insel Beznau in der Aare. Den Auftrag für die Bauausführung erhält die SA Conrad Zschokke. 1969 geht das erste Atomkraftwerk der Schweiz, Beznau I, ans Netz, 1972 folgt Beznau II. Gemeinsam liefern sie 5 TWh Strom im Jahr. Zum Vergleich: Grand Dixence liefert in einem Rekordjahr wie 2024 knapp 3 TWh. Heute gehören Beznau I und II zu den ältesten noch betriebenen Atomkraftwerken der Welt. Sie sollen 2032 und 2033 abgeschaltet werden.
Tarbela-Talsperre, Westpakistan, 1968-1977 (Zschokke)
Der Bau des Tarbela-Damms am Indus in Westpakistan ist in den 1960er-Jahren das grösste Bauobjekt, das je einer Unternehmergruppe übertragen wurde. Aus nicht weniger als 19 internationalen Baufirmen besteht das Tarbela Joint Venture (TJV), darunter die SA Conrad Zschokke und die Losinger AG aus der Schweiz. Rund CHF 3 Mrd. wird das Bauwerk verschlingen, allein der Gerätepark wird CHF 250 Mio. kosten. Demgegenüber steht die enorme Leistung dieses Kraftwerks, das 1977 ans Netz geht und 28 Prozent der pakistanischen Stromproduktion liefern wird.
Überschattet wird das gigantomanische Projekt durch bewaffnete Konflikte zwischen Indien und Pakistan und Kostenüberschreitungen. Auch die sozialen und ökologischen Folgen des Projekts sind aus heutiger Sicht kritisch zu bewerten. So mussten 120 Dörfer mit rund 96’000 Einwohnern für den Bau der Talsperre umgesiedelt werden, und durch die Verringerung der Abflüsse wurden Teile des Mangrovengebiets im Indus-Delta ausgetrocknet. Am Ende dürfte die SA Conrad Zschokke froh gewesen sein, in diesem Riesenprojekt nur als einer von vielen Juniorpartnern beteiligt gewesen zu sein.
«Electric Mountain», Pumpspeicherkraftwerk Dinorwig, Wales (UK), 1974-1984 (Zschokke)
Zehn Jahre dauern die Bauarbeiten des damals grössten Bauprojekts in der Geschichte Grossbritanniens: des Pumpspeicherkraftwerks Dinorwig im Norden von Wales. 12 Mio. Tonnen Fels werden tief aus dem Berg Elidir Fawr herausgebrochen, 1 Mio. Tonnen Beton, 200 000 Tonnen Zement und 4 500 Tonnen Stahl werden verbaut, um das leistungsstärkste Pumpspeicherwerk Europas und das drittstärkste weltweit zu errichten.
Die gewaltige Energie produziert das Werk, indem in Zeiten schwachen Stromverbrauchs Wasser aus dem Llyn Peris See in das höhergelegene Marchlyn-Mawr-Reservoir gepumpt und gespeichert wird, um es bei starker Stromnachfrage durch Stollen und Turbinen wieder abfliessen zu lassen. Heute ist das Kraftwerk mit seinen 16 km langen Stollen und Tunneln und einer mächtigen, 51 m hohen Kaverne auch eine als «Electric Mountain» bekannte Touristenattraktion.
Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance, Wallis, 2008-2018 (Implenia)
2008 beginnen die Bauarbeiten an einem der leistungsstärksten Kraftwerke Europas: dem Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance im Wallis. Es ist einer der grössten Aufträge für die damals noch junge Implenia, die gemeinsam mit Marti den Auftrag für die umfangreichen Tiefbauarbeiten erhält. Denn die beiden Stauseen Vieux Emosson auf 2 225 m ü. M. und Emosson auf 1 930 m ü. M. bestehen schon.
Das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance produziert auch keine neue Energie, sondern soll durch das Umpumpen von Wasser zwischen den beiden Stauseen die Netzwerkschwankungen stabilisieren. Wird viel Strom benötigt, wird das Wasser vom oberen Stausee in den unteren Stausee abgelassen und turbiniert, wird wenig Strom benötigt, wird das Wasser wieder in den oberen See gepumpt und gespeichert. Damit das funktioniert, baut Implenia mit Marti 18 km Tunnel, zwei 430 m tiefe Druckschächte und eine riesige unterirdische Kaverne. 2022 geht diese riesige wiederaufladbare Batterie ans Netz.
Bleichlochtalsperre, Thüringen (D), 1926-1932 (Bilfinger), 1999-2000 (Bilfinger+Berger), 2023 (Implenia)
Gemessen am Stauvolumen ist der 9,2m2 grosse und bis zu 70 m tiefe Bleilochstausee in Thüringen der grösste Stausee Deutschlands. Heute ist der See nicht nur Energielieferant, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel – passenderweise sogar für Elektro- und Technofans, die hier jährlich im August zum beliebten Festival «Sonne, Mond und Sterne» antraben.
Erbaut wurde die Bleilochtalsperre zwischen 1926 und 1932 durch eine ARGE unter Beteiligung der Grün und Bilfinger AG. Mitten in den Bauarbeiten ereilte die Weltwirtschaftskrise das Grossprojekt – Arbeitslose aus allen Teilen Thüringens und Sachsens wurden hier zu halbjährigen Arbeitseinsätzen verdonnert. Einen Weltkrieg und eine Wiedervereinigung Deutschlands später, 1999, beschliesst die schwedische Betreibergesellschaft Vattenfall den Abbruch und Neubau der durch Korrosion beschädigten Staumauer – den Auftrag dafür erhält Bilfinger + Berger, die Nachfolgefirma von Grün und Bilfinger.
Und die Fortsetzungsgeschichte geht weiter: Gleichzeitig zur Staumauer wurde Ende der 1920er-Jahre 15 km stromaufwärts eine Brücke über den entstehenden Stausee errichtet. Diese erreicht 2023 langsam das Ende ihres Lebenszyklus. Den Zuschlag zum Neubau der Talsperrenbrücke der B90 erhält 2023 eine Bietergemeinschaft bestehend aus Implenia und Amand. Die Eröffnung der Brücke ist 2027 geplant. Dann wird Implenia mit Stolz sagen können, dass sie mit ihren Vorgängerfirmen seit über 100 Jahren am «Thüringer Meer» und der Bleilochtalsperre mitbaut.
Staumauer Spitallamm, Grimsel, 2019-2026 (Implenia)
Eine der berühmtesten Staumauern der Schweiz, die Spitallammstaumauer am Grimselsee, altert schlecht. Bereits in den 1960er-Jahren offenbart sich ein vertikaler Riss zwischen Vorsatz- und Massenbeton, eine sogenannte Bauwerkstrennung. Zudem findet im Massenbeton der Mauer möglicherweise eine Alkali-Aggregat-Reaktion (AAR) statt. Deshalb entscheidet sich die Betreiberin, die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO), für einen identischen Neubau der Staumauer direkt vor der alten.
Das hat drei Vorteile: Erstens kann der Neubau im Trockenen erfolgen, zweitens können die Kraftwerke Oberhasli währen der siebenjährigen Bauphase weiter Strom mit dem Wasser vom Grimselsee produzieren, drittens wird die neue Staumauer die nötige bautechnischen Substanz aufweisen, um eine zukünftige Erhöhung zu ermöglichen. Bei der Vergabe dieses prestigeträchtigen Projekts kommt neben der Lokalmatadorin, Frutiger AG, im gleichen Umfang (42,5 Prozent) auch Implenia zum Zug. Wichtigster Trumpf bei der Vergabe: die Referenz von der erfolgreichen Erhöhung der Staumauer Vieux Emosson für das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance (siehe oben).
History-Stories
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