
Schalungsarbeiten am Flughafen Zürich, 1970
Mitarbeiter der Ad. Schäfer+Cie AG
Hinten: Der erste Düsenjet der Belair - eine Convair 990
20 Jahre Implenia, 160 Jahre Zukunft gestalten
Fliegen für Alle
Über Jahrtausende war das Fliegen ein Menschheitstraum. Bis das Flugzeug im 20. Jahrhundert den Himmel eroberte und Fliegen zum Konsumgut wurde. Zwar konnten keine Hinweise gefunden werden, dass Implenia oder Vorgängerfirmen je ein Flugzeug gebaut hätten… doch mit Asphalt und Beton haben sie mitgeholfen, jedermann und jederfrau ein sicheres und komfortables Fliegen zu ermöglichen.
Nachtschicht für Implenia
Erst wenn das letzte Flugzeug gegen 23 Uhr auf dem Flughafen Zürich gelandet ist, kommt der minutiös abgestimmte Auftritt der Bauarbeiter. Und wenn das erste Flugzeug am nächsten Morgen genau hier abhebt, sind all diese Frauen und Männer wieder verschwunden wie die Heinzelmännchen. Was in der Zwischenzeit auf Piste 10-28 der Flughafens Zürich geschehen ist:
Mobile Lärmschutzwände werden aufgestellt; zwei 90-Tonnen-Bagger brechen den alten Pistenbelag auf.
Die Rohre für die neue Befeuerung (Signallichter) werden in der Fundation verlegt.
Einbau der 28 cm dicken Tragschicht; Walzfahrzeuge verdichten den Niedertemperatur-Asphalt.
Platzierung der Platzhalter für die Signallichter; zwei Asphalt-Fertiger tragen parallel die Binderschicht auf.
Asphaltierung abgeschlossen, Montage Signallichter und Markierung der Pistenmitte.
Piste frei, Endreinigung, Kontrolle und Abnahme.
Start des ersten Flugzeugs.
Von der ersten bis zur letzten Piste
80 Herbst- und Winternächte lang hat die ARGE Midnightforce, an der Implenia beteiligt war, in den Jahren 2022/23 die Westpiste 10-28 des Flughafens Zürich erneuert. Was kaum jemand vom Implenia Team wusste: Sie traten dabei tief in die Fussstapfen ihrer Vorfahren. Denn Piste 10-28 ist die älteste der drei Pisten des 1948 eröffneten Flughafens Zürich-Kloten. Und wer hat diese gebaut? Die Heinr. Hatt-Haller AG und die SA Conrad Zschokke aus Genf.
Es war nicht die erste Piste, die Implenia in einer ARGE saniert hat. Vielmehr war die Erneuerung der Piste 10-28 der Abschluss einer umfassenden Pistensanierung: 2008 erneuerte Implenia in der ARGE Midnightrun Piste 16-34, 2014 in der ARGE Midnightspeed Piste 14-32.





Die Pionierphase des Flughafenbaus – mit Vorsprung für Genf
Vorreiter der zivilen Luftfahrt in der Schweiz war jedoch nicht Zürich, sondern das damals viel «internationalere» Genf. Dieses besass im Vorort Cointrin seit 1922 einen Flugplatz mit Zulassung für den kommerziellen Luftverkehr. 1938 erwarb der Kanton Genf weitere Flächen rund um den Flughafen, um diesen zu erweitern. Drei Jahre später begannen die Bauarbeiten – trotz Kriegswirtschaft und rationierten Zementlieferungen. An vorderster Front mit dabei: die SA Conrad Zschokke, die ab 1941 die Piste auf 2000 m verlängert und 1946 – mit ihrer Erfahrung im Metallbau – den ersten grossen Hangar des Flughafens Genf-Cointrin errichtet.
Es ist diese Erfahrung im Flughafenbau, welche die SA Conrad Zschokke etwas später auch beim Bau des Flughafens Zürich einbringt, wobei hier eindeutig Hatt-Haller der «Platzhirsch» ist. Dennoch: Als in Zürich die Bauarbeiten für den Flughafen beginnen, gibt es Genf bereits Interkontinentalflüge: Die Trans World Airlines (TWA), und nicht etwa die Swissair, betreibt hier seit dem 8. April 1946 die Fluglinie New York-Genf-Rom-Kairo.


Die Demokratisierung des Fliegens
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit entwickelt sich auch der gewerbliche Luftverkehr in der Schweiz rasant. Zählte man 1945 noch 16'000 Fluggäste, sind es 1975 bereits 10,6 Mio. und 2000 schon 34,4 Mio., wobei allein die Swissair 117 Destinationen in mehr als 70 Ländern anfliegt. Heute liegt das Passagieraufkommen in der Schweiz bei 60 Mio.
War das Fliegen anfangs ein Luxusgut, wird es in den 80er-Jahren zunehmend zum Konsumgut. Der erste interkontinentale Linienflug der Swissair von Zürich via Dakar und Natal nach Rio de Janeiro kostete 1949 rund CHF 8000 – das wären heute fast CHF 40'000, ohne Rückflug! Heute kostet dieselbe Reise CHF 1000 und dauert halb so lang.
Mit dieser rasanten Entwicklung des Flugverkehrs müssen auch die Flughäfen mithalten. Fast alle Vorgängerfirmen von Implenia beteiligen sich an diesem steten Ausbau: Hatt-Haller und Zschokke, die Pisten verlängern und neue Fracht- und Postgebäude erstellen, aber auch kleinere Firmen wie die Ad. Schäfer und Cie. AG, die 1972 auf dem Terminal B in Zürich-Kloten die Aussenheizungen einbaut, oder die auf Strassenbau spezialisierte Stuag, die 1986 Zufahrtsstrassen zum Flughafen Genf-Cointrin baut.
Mit ihrem internationalen Renommée schafft es die SA Conrad Zschokke sogar, den Flughafenbau zu «exportieren». Mit einer Tochtergesellschaft erweitert sie zwischen 1982 und 1984 auf Madeira die gefürchtete, kurze Start- und Landebahn des Flughafens von Funchal. Aufgrund der Topografie muss die Piste ins Meer hinaus verlängert werden, wo wiederum das Knowhow von Zschokke im Wasserbau hilfreich ist.
Zurück am Flughafen Zürich-Kloten übernahm Batigroup die Baumeisterarbeiten für das als «Dock Midfield» bekannte internationale Terminal «Dock E», das 2003 eröffnet wurde und Platz für bis zu 27 zusätzliche Grossraumflugzeuge bietet. Zschokke Locher war in die Erstellung der unterirdischen Luftkissenbahn «Skymetro» zwischen Airside Center und Dock E involviert.

Implenia ist flugtauglich – bis heute
Diese Expertise der Vorgängerfirmen vereint Implenia. Ob im Hoch- oder im Tiefbau, auf Flughäfen kennt sich der grösste Schweizer Bau- und Immobiliendienstleister bestens aus. Eine permanente Herausforderung sind – wie beim Pistenbau – die kurzen Zeitfenster und die komplizierte Logistik. Anlieferungen, der Einsatz schwerer Geräte und Hebemittel – all das ist nur ausserhalb der Betriebszeiten, also nachts möglich. Doch genau unter solchen Bedingungen fühlt sich Implenia wohl, so dass 2025 beispielsweise die neue Frachthalle Rächtenwisen eröffnet werden kann, übrigens ein nachhaltiger, moderner Holzbau, wie damals die ersten Gebäude von Zschokke und Hatt-Haller.
Ein Jahr zuvor konnte Implenia am Frankfurter Flughafen die Fassadenarbeiten am Terminal 3 abschliessen: 10’000m2 Fassade und Fenster in futuristischer Architektur.
Einen unerfreulichen Grund – das internationale Säbelrassen der Grossmächte – hat die derzeitige Renaissance des militärischen Flughafenbaus. Man könnte das aber auch als Rückkehr zu den Wurzeln bezeichnen, denn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Flughafenbau fast ausschliesslich militärischer Natur. Was heute definitiv anders ist als früher: Es fehlen immer öfter die Menschen. So hat Implenia auf dem traditionsreichen Militärflugplatz Emmen, der Heimat der Patrouille Suisse, einen Flughafen nur für die neuen Drohnen des Schweizer Militärs gebaut.
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Hauptfoto: Arbeiter der Ad. Schäfer+Cie AG bei Schalungsarbeiten auf dem Flughafen Zürich, 1970. Acht Jahre später wird das Aarauer Traditionsunternehmen Teil der Zschokke-Gruppe. Ad. Schäfer+Cie AG, Aarau 1870-1970
History-Stories
Im Laufe des ganzen Jubiläumsjahres wird der Inhalt erweitert
Für mehr Informationen über die Wurzeln von Implenia, und darüber, wie Implenia die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schweiz und vieler weiterer Länder geprägt hat und prägt:






