Interview
Implenia mit gesteigerten Ergebnissen und positiven Wachstumsaussichten

Jens Vollmar, CEO, und Hans Ulrich Meister, Verwaltungsratspräsident
Implenia hat die Ziele fürs Jahr 2025 erreicht, den Auftragsbestand gesteigert und wichtige finanzielle Kennzahlen verbessert. Wie schätzen Sie das Resultat ein?
Jens Vollmar Implenia erzielte ein EBIT von CHF 140,5 Mio., die EBIT-Marge stieg auf 4,0 %. Der Auftragsbestand erreichte erstmals CHF 8,5 Mrd. und wuchs damit um fast 25 %. Die vorkalkulierte Projektmarge konnten wir innerhalb eines Jahres von 7,3 % auf 7,8 % erhöhen. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht zurück, aber aus dem hohen Auftragsbestand erwarten wir ab 2027 einen steigenden Umsatz. Das Ergebnis zeigt, dass unsere Leistungen im Markt gefragt sind und unsere Mitarbeitenden einen tollen Job gemacht haben.
Hans Ulrich Meister Den entscheidenden Beitrag zu diesem erneut verbesserten Resultat haben in der Tat unsere Mitarbeitenden geleistet – seit vergangenem April mit CEO Jens Vollmar an der Spitze. Dank ihrem engagierten Einsatz auf unseren unzähligen Baustellen und in den Büros sowie der ausgezeichneten Leistung unseres Führungsteams wurde dieses Ergebnis möglich. Dafür danke ich im Namen des Verwaltungsrats allen herzlich. Implenia wird dieses Jahr 20 Jahre alt. Es freut mich, dass wir so positiv in unser Jubiläumsjahr starten können. Wir werden 20 Jahre Implenia und die 160-jährige Bautradition, die dahintersteht, mit unseren Mitarbeitenden und Kunden feiern.

Wie haben sich die Cash-Situation von Implenia und die Eigenkapitalquote im vergangenen Jahr entwickelt?
Jens Vollmar Den Free Cash Flow konnten wir deutlich um CHF 179 Mio. auf CHF 125,3 Mio. steigern. Zudem haben wir unsere Finanzstruktur weiter gestärkt durch die frühzeitige Refinanzierung von zwei Anleihen. Das Eigenkapital konnten wir um CHF 97 Mio. auf CHF 753,3 Mio. erhöhen. Die Eigenkapitalquote stieg per 31. Dezember 2025 auf 23,5 %, bereinigt um die Festgeldanlage aus der vorzeitigen Refinanzierung der im März 2026 auslaufenden Anleihe. Neben dem guten operativen Ergebnis trug auch die Überdeckung der Implenia Vorsorgeeinrichtung zu dieser positiven Entwicklung bei.
Von den Finanzen zum Geschäft: Was waren für Sie die operativen Highlights im Jahr 2025?
Jens Vollmar Highlights waren für mich vor allem die Auftragsgewinne, die unserer Differenzierungs- und Wachstumsstrategie entsprechen: Zum Beispiel zwei weitere Datacenter in der Schweiz, mehrere Brücken in Deutschland und Norwegen, Projekte für den S-Bahn-Ausbau in München und Frankfurt sowie der Mehrspurausbau der Bahnlinie zwischen Zürich und Winterthur. Nennenswert sind aber auch zahlreiche Initiativen und Innovationen, die uns als Unternehmen weitergebracht haben. Unter anderem haben wir die KI-unterstützte Digitalisierung im Bau und auch bei den internen Prozessen vorangetrieben, die Anwendung von Lean Construction und BIM weiterentwickelt oder die Nachhaltigkeit unserer Grossprojekte verbessert.
Wir haben unsere Ergebnisse 2025 erneut gesteigert. Wir werden wachsen, indem wir unsere starke Marktposition nutzen, neue Segmente erschliessen und unsere Profitabilität weiter verbessern.
Jens Vollmar
CEO
Schauen wir in die Zukunft: In welchen Marktsegmenten sehen Sie strategische Opportunitäten für Implenia?
Hans Ulrich Meister Implenia profitiert mit einem differenzierten Leistungsangebot von den Megatrends Bevölkerungswachstum und Urbanisierung, Energiewende und Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung und Industrialisierung. Die Prognosen in relevanten Marktsegmenten der Schweiz, in Deutschland sowie in Europa sind positiv. Infrastruktur- und Verteidigungsprogramme erhöhen die Bauausgaben in den europäischen Märkten signifikant. Dies in Bereichen, in denen Implenia spezialisiert und erfahren ist. Im Hochbau fördert zudem das aktuell tiefe Zinsniveau das Wachstum. Der Verwaltungsrat hat sich, auch aufgrund dieser positiven Vorzeichen, intensiv mit der künftigen strategischen Ausrichtung beschäftigt. Um die Opportunitäten zu nutzen, setzt Implenia eine Wachstums- und Differenzierungsstrategie um. Die strategischen Prioritäten sowie auch die Unternehmenswerte wurden entsprechend geschärft.
Die Prognosen für die relevanten Märkte sind positiv. Mit einer Wachstums- und Differenzierungsstrategie wird Implenia diese Opportunitäten in den nächsten Jahren nutzen.
Hans Ulrich Meister
Verwaltungsratspräsident

Wie sieht das konkret aus, welche Ziele hat sich Implenia für 2026 und danach gesetzt?
Jens Vollmar Implenia erwartet für das Gesamtjahr 2026 ein EBIT von CHF ~150 Mio., vor ausserordentlichen Wachstumsinvestitionen von CHF 10-20 Mio. für die Strategieumsetzung. Diese unterstützen den Aufbau von Kompetenzen und von Expertise für die weitere Differenzierung und Spezialisierung in den drei Divisionen. Gleichzeitig wird die Organisation in einzelnen Bereichen weiter optimiert und für zukünftigen Erfolg ausgerichtet. Da sich die mittelfristige Visibilität sowie die vorkalkulierte Projektmarge des Auftragsbestands weiter verbessert haben, erwartet Implenia ab 2027 ein im Vergleich zu den CHF ~150 Mio. im Jahr 2026 weiter gesteigertes EBIT. Die mittelfristigen Finanzziele sind unverändert eine Eigenkapitalquote von 25 % und eine EBIT-Marge von > 4,5 %.
Für die Strategieumsetzung werden Sie im Jahr 2026 ausserordentliche Wachstumsinvestitionen in der Höhe von CHF 10-20 Mio. tätigen. Woraus bestehen diese und was erwarten Sie davon?
Jens Vollmar Wir investieren, um die Gruppe optimal aufzustellen und die attraktiven Marktopportunitäten in den nächsten Jahren voll zu nutzen. In den spezialisierten Marktsegmenten werden wir weitere Teams aufbauen für Datacenter und Gesundheitsimmobilien, und zwar in der Westschweiz und in Deutschland. Zudem werden wir gezielt zusätzliche Kompetenzen aufbauen für Verteidigungsbauten und Projekte im Rahmen des deutschen Infrastrukturplans. Weiter investieren wir in die verstärkte Ausrichtung auf grosse und komplexe Projekte im Ingenieur- sowie Spezialtiefbau in der Schweiz. Kapitalintensive Aktivitäten werden wir weiterhin reduzieren, sofern die Margen den Kapitaleinsatz nicht rechtfertigen. Auch die Selektion von ausgewählten Akquisitionen in margenstarken Geschäftsfeldern bleibt wichtig. Unsere europäische Ausrichtung wollen wir zudem zur Erschliessung von Fachkompetenzen nutzen. Diese Investitionen werden es der Gruppe ermöglichen, den Umsatz ab 2027 sukzessive zu steigern sowie die EBIT-Marge und den Free Cash Flow weiter zu verbessern.
Können die Aktionäre 2026 wiederum mit einer höheren Dividende rechnen?
Hans Ulrich Meister Auf der Basis des wirtschaftlichen Erfolgs und der weiter gestärkten Bilanz beantragt der Verwaltungsrat der Generalversammlung vom 31. März 2026 eine Erhöhung der Dividende um 56 % auf CHF 1,40 (Vorjahr CHF 0,90) pro Aktie.
Personelle Veränderungen im Implenia Executive Committee (IEC)

Anita Eckardt, Head Division Service Solutions, wird per Ende März von ihrer Funktion zurücktreten. Die Leitung der Division übernimmt ab April bis auf Weiteres CEO Jens Vollmar. «Ich danke Anita Eckardt für ihr Engagement als Mitglied des IEC und in der Leitung der Division Service Solutions (seit April 2025) sowie davor der Division Specialties. In diesen Funktionen wie auch als Chair des Sustainability Committee und in der Umsetzung der Innovationsstrategie hat sie Implenia entscheidend weitergebracht», sagt Jens Vollmar.
Claudia Bidwell, Chief Human Resources Officer (CHRO), wird per Ende März von ihrer Funktion zurücktreten. Petra Feigl-Fässler wird ab 1. September 2026 neue CHRO von Implenia und Mitglied des IEC. Derzeit ist Petra Feigl-Fässler Head of HR & Communications von Migros Industrie und Mitglied des Executive Committee. Zudem ist sie Verwaltungsrätin des Versicherungsunternehmens Groupe Mutuel und Stiftungsrätin von HIG-Immobilien. Zuvor hatte sie verschiedene Führungspositionen im Bereich HR bei grossen in der Schweiz und international tätigen Unternehmen. Petra Feigl-Fässler verfügt über einen Master in Volkswirtschaft der Universität St. Gallen sowie einen Abschluss in Change Management des INSEAD Paris. Jens Vollmar zum Wechsel: «Ein grosser Dank an Claudia Bidwell für ihren Einsatz, zuerst als Head of People and Organisation Development und in den letzten Jahren als CHRO im IEC. Sie hat die HR-Organisation in einer wichtigen strategischen Phase integriert, weiter professionalisiert und digitalisiert. Mit Petra Feigl-Fässler haben wir eine hervorragend qualifizierte Nachfolgerin gefunden – ich freue mich auf die Zusammenarbeit.»